Vogelspinnen-Arten für Anfänger

VogelspinnenArten für Anfänger

Was sind Anfängerarten und was sind keine, das wird oft auf Stammtischtreffen, Facebook oder Foren diskutiert. Wir versuchen hier mal ein paar Argumente in die Waagschale zu werfen und Tipps zu geben.

Fangen wir einfach an:
Wildfänge sollten möglichst nicht von Anfängern erworben werden. Wildfänge sind noch sehr stark an die Bedingungen in ihrer natürlichen Umgebung gewöhnt. Die Umstellung ist für sie nicht einfach, was es wiederum für unerfahrene Halter schwieriger macht, dem gerecht zu werden. Auch verhalten sie sich nach unserer Erfahrung häufig defensiver als eingewöhnte Nachzuchten. Und zu guter Letzt: Wildfänge in großen Mengen zu importieren ist nicht nachhaltig und kann dem Bestand der Art in der Natur erheblich schaden. Gerade Arten, die bei Anfängern beliebt sind werden aber in größerer Menge nachgefragt. Daher passt für uns Wildfang und Anfänger nicht zusammen.

Was zeichnet einen Anfänger aus?
Anfänger sind oft noch sehr neugierig und wollen möglichst viel von ihrem neuen Schützling haben. Sie haben noch keine und nur wenige Vogelspinnen, sind daher noch nicht mit den Reaktionen und dem Verhalten der Tiere vertraut. Anfänger haben eben noch keine Routine wie Halter, die seit Jahren eine größere Anzahl an Vogelspinnen pflegen.
Manchmal werden z. B. bei Missverständnissen unwissentlich Fehler bei der Haltung gemacht.

Die ideale Anfängervogelspinne ist also
– möglichst oft zu sehen
– zeigt ein weitestgehend ruhiges und berechenbares Verhalten
– toleriert eine größere Bandbreite an Temperatur und Luftfeuchtigkeit
– frisst gut und gerne
– wächst gut

Röhrenbewohner, aber auch viele Baumbewohner leben oft sehr zurückgezogen. Häufig sieht man von Ihnen nur ein paar Beine. Der Rest bleibt versteckt. Für ganz frische Anfänger oft frustrierend, vor allem wenn es sich um eine besonders farbenprächtige und teure Art handelt. Diese Arten bleiben hier erstmal außen vor.

Asiatische und afrikanische Vogelspinnen können fast ausnahmslos unvorhergesehen schnell und defensiv reagieren. Oft ist Ihr Gift potenter als das von neuweltlichen Arten. Die Haltung einiger Gattungen der asiatischen und afrikanischen Vogelspinnen ist in einigen Bundesländern daher untersagt.
Gute Gründe, warum diese Arten nicht für unbedarfte Anfänger in Betracht kommen sollten.

Hier nun unsere Empfehlung:

Tliltocatl albopilosus
Für uns überhaupt die Anfängerart.  Die Art wird regelmäßig nachgezüchtet und ist daher als gut eingewöhnte Nachzucht zu erschwinglichen Preisen verfügbar. Auch im natürlichen Lebensraum der Art herrscht ein relativ konstantes Klima ohne erheblich Extreme vor. Die Tiere sind also nicht auf eine Ruhephase zur Trockenperiode oder Winter eingestellt. Sehr lange sind sie daher selten versteckt. Meist halten sie sich gut sichtbar im Terrarium auf. Unter allen Tliltocatl albopilosus ist uns bisher noch nie eine begegnet, die besonders hektisch oder defensiv gewesen wäre. Sie gehen gut ans Futter, das Wachstum ist jedoch eher moderat. Dafür kann die Art bei guter Pflege ein Alter von 25 Jahren und mehr erreichen.

Tliltocatl vagans
In vielen Punkten verhält es sich wie mit Tliltocatl albopilosus. Allerdings ist diese Art nicht ganz so ruhig und friedlich. Dennoch ist sie für den Anfänger sehr gut geeignet. Die sehr ähnliche Art Tliltocatl kahlenbergi ist etwas seltener zu bekommen, es verhält sich ansonsten aber wie mit Tliltocatl vagans.

Wichtig! Alle Tliltocatl-Arten fallen wie Arten der Gattung Brachypelma (zu der sie früher gehörten) immer noch unter des WAAII! Ein Herkunftsnachweis ist in jedem Fall erforderlich. (Wie dieser aussieht ist in den Bundesländern nicht einheitlich geregelt, meist reicht eine Bestätigung des Verkäufers darüber, dass es sich um eine legale Nachzucht handelt.)

Lasiodora parahybana
Lasiodora parahybana gehört zu den größten Vogelspinnen überhaupt. Berücksichtigt man ein paar Dinge, ist sie eine ideale Anfänger-Art. Punkt 1: sie ist fast immer hungrig und wenn sich etwas im Terrarium bewegt außer ihr selbst, dann muss es Futter sein. Ist es (wider Erwarten) kein Futter, dann ist es unerwünscht. Futter versucht man zu fressen, Unerwünschtes wird bombardiert. Insgesamt ist sie etwas hektischer und defensiver als Tliltocatl albopilosus. Das alles ist jedoch in sehr gut beherrschbarem Rahmen. Dafür wächst sie ab einer Größe von etwa 2,5cm Körperlänge sehr, sehr gut. (Da sie sehr klein auf die Welt kommt braucht es bis dahin allerdings länger. Der Anfänger lässt das jedoch die Sorge des Züchters sein und kauft eben 2-3 Jährige Tiere. 😉 ) Die Tiere sind oft zu sehen, gehen beherzt ans Futter, selbst wenn das etwas größer ist, und sie dekorieren das liebevoll eingerichtete Heim gerne nach eigenen Vorstellungen um. Große Tiere brechen aus Terrarien mit Schiebescheiben gerne aus, wenn diese nicht gesichert werden. Kurz um ein Mitbewohner mit Charakter, der Spaß macht.
Die Art zeichnet sich durch eine große Robustheit gegenüber trockenerer wie feuchter Haltung aus. Auch die Temperaturansprüche sind moderat. Von 21°C bis 27°C ist alles OK.
Im Übrigen gilt das, was hier über Lasiodora parahybana steht, auch für Lasiodora klugi und Acanthoscurria geniculata.

Arten der Gattung Grammostola werden immer wieder als Anfängerarten empfohlen. Im Besonderen bei den chilenischen Arten raten wir dem Anfänger jedoch ab. Ausgewachsene Tiere sind meist noch Wildfänge, deren Alter vollkommen ungewiss ist. Gerade die chilenischen Arten legen jahreszeitlich bedingt oft lange Ruhephasen ein, in denen sie sich eingraben und nicht zu sehen sind. Bis auf Grammostola pulchripes und eingeschränkt auch Grammostola pulchra und Grammostola grossa werden die Arten dieser Gattung nur sehr selten oder so gut wie überhaupt nicht nachgezogen. Der Anfänger sollte gerade die chilenischen Arten lieber Züchtern überlassen, die sich ernsthaft an der Nachzucht der Arten versuchen.
Alle Grammostola-Arten wachsen mehr oder minder langsam. Und bei allen Grammostola-Arten gibt es immer wieder selbstbewusste Exemplare, die nicht die Friedfertigkeit z. B. von Tliltocatl albopilosus besitzen. Dem Anfänger empfehlen wir daher nur Grammostola pulchripes gänzlich ohne Einschränkungen. Mit leichten Einschränkungen sind aber auch Grammostola pulchra und Grammostola grossa gut geeignet. Die Arten sind bei richtiger Pflege ausnahmslos sehr langlebig und robust. Gerade Grammostola pulchripes ist in der Regel sehr friedlich und ruhig, aber auch die anderen beiden verhalten sich fast immer ruhig und wenig nervös.

Wir raten bei allen Arten, so auch hier, Tiere in einer Größe von ca. 2-3,5cm Körperlänge zu nehmen. Zum einen kann man dann sicher sein, junge Tiere zu erwerben, zum anderen ist diese Größe auch für Anfänger sehr gut geeignet. Die Tiere sind bereits robust und „sehen schon nach Vogelspinne aus“ und können sowohl mit kleinen bis subadulten Heimchen, wie mit Mehlwürmern ernährt werden.

Zu guter Letzt der Evergreen schlecht hin, die vielleicht bekannteste Vogelspinne überhaupt: Brachypelma hamorii ( früher Brachypelma smithi). Die Art gilt als ruhig und robust, was im wesentlich auch richtig ist.
Dennoch bombardieren die Tiere bei Belästigung und die ein oder andere hat auch schon mal gezwickt. Für den Anfänger ist das alles kein Problem, die Tiere sollen ja auch nicht „angetatscht“ werden. Vogelspinnen sind ja Beobachtungstiere, keine Streicheltiere.  Alle Arten der Gattung Brachypelma sind eher langsam wüchsig. Dies gilt besonders für Brachypelma emilia – böse Zungen behaupten Tropfsteine würden schneller wachsen. (Vermutlich haben sie recht.). Dafür sind die Arten ausnahmslos recht robust. Bis auf Brachypelma boehmei, deren Vertreter schon mal mit „hysterischem Bombardierkrampf“ reagieren können, sind die Brachypelma-Arten alle nette und langlebige Pfleglinge. Futter wird in der Regel gut genommen und an sich sind sie auch recht zeigefreudig. Allerdings können die Tiere sich zur Häutung durch aus mal für 8 Wochen und länger zurückziehen. Für ungeduldige Anfänger sind sie daher vielleicht doch nicht die richtige Wahl.