Das heikle Thema mit dem Bodengrund

Das heikle Thema mit dem Bodengrund 

Die Diskussionen hierzu sind ebenso lang wie kontrovers und oft auch nur theoretisch. Manchmal erlebt man Leute, die „Maulwurfserde = Optimal“ oder „Kein-Kokossubstrat“ zum Dogma erheben. Da kommt man schon mal ins Grübeln, gerade als Anfänger. Ich kann Euch beruhigen, auch als Fortgeschrittener kommt man da nicht immer mit. 😉

Was also sollte der Anfänger über den Bodengrund wissen?

Der Bodengrund im Terrarium sollte Wasser gut aufnehmen und möglichst lange speichern können. Er ist das wesentliche Hilfsmittel, um die Luftfeuchtigkeit konstant im erforderlichen Rahmen zu halten. Das kann man durch ausreichende Substrathöhe und Wahl des Substrates erheblich beeinflussen.
Dann sollte man differenzieren, ob es sich teilweise unterirdisch lebende Arten, oberirdisch lebende Arten oder Baumbewohner handelt. Nicht alles was für Baumbewohner passt, passt auch für Röhrenbewohner. Bodenlebende Spinnen bewegen sich auf dem Substrat oder legen darin ihre Wohnröhre an. Baumbewohner tun das in der Regel nicht. Doch auch hier gibt es Ausnahmen.

Böden im Habitat sind häufig sehr fest, vergleichbar mit Lehmerde. Sie weisen an den Bereichen, an denen Vogelspinnen vorkommen, oft nur eine geringe oder gar keine Bedeckung mit Humus auf. Allerdings steht den Tieren im Habitat auch eine ganz andere Menge des Bodens und damit des Feuchtigkeitsspeichers zur Verfügung. So können Röhren durchaus 40cm tief oder noch tiefer reichen, was im Terrarium so gut wie nie umgesetzt wird.

Man kann also auch Bedingungen aus dem natürlichen Lebensraumes der Tiere nicht ohne weiteres in die Terraristik übertragen. Dies trifft auf Angaben zur Luftfeuchtigkeit und Temperatur z. B. in Klimadiagrammen ebenso zu, wie auf die Eigenschaft von Bodensubstraten. Will man das tun, dann muss in der Regel das „Gesamtsystem nachgebaut werden“.
Bsp.:  Pelenobius muticus lebt in Kenia. Die Lufttemperatur kann in der Sonne schnell 35°C übersteigen, der lehmige, sehr harte und dichte Boden heizt sich im Sommer sehr stark auf. Die oberen Bodenschichten sind z. T. vollkommen trocken. Luftfeuchtigkeit liegt zeitweise unter 30%. Würde man das in einem klassischen Vogelspinnenterrarium von ca. 30x30x30cm 1:1 so umsetzen würde die Spinne nicht lange überleben. Warum? Weil die Spinnen die Widrigkeiten in ihrem Lebensraum dadurch kompensiert, dass sie bis zu 2m tiefe Röhren bauen. Das wiederum wird man in der Terraristik nicht umsetzen können. Also bedeutet Terraristik immer auch den passenden Kompromiss zu finden. Dies gilt auch für den Boden.

Wichtig! Tiere wie Asseln, Tausendfüßer oder Käferlarven haben komplett andere Anforderungen an das Substrat als Spinnen, Skorpione und Skolopender. Erstere leben nicht nur im oder auf dem Substrat wie zweitere, sie ernähren sich auch davon. Z. B. auf Kokossubstart würde sie verhungern bzw. selbst mit zusätzlicher Fütterung kümmern.

Nun zu den Boden- / Substratarten!

Sand ist für Vogelspinnen ungeeignet. Im Besonderen gebrochener Quarzsand kann für die Vogelspinne sehr gefährlich sein. Natursand ist hingegen nicht gefährlich, aber dennoch „pur“ vollkommen ungeeignet. Im Besonderen gekaufter Sand in Säcken ist fast immer geschlämmt und gesiebt, sodass die Feinanteile entfernt sind. Für uns in der Terraristik ist das eher nicht optimal. Wesentlich für die Eigenschaft des Sandes ist seine Sieblinie. Ein gewisser Anteil an natürlichem Sand im Bodengrund entspricht den meisten Böden in der Natur. Er kann in Kombination mit Lehm erheblich zur Stabilität des Bodens beitragen.

Wie Sand sind Seramis und Vermiculite mineralischen Ursprungs. Sie können jedoch sehr viel Wasser aufnehmen und eignen sich daher,  um die Wasseraufnahmefähigkeit des Substrats zu steigern. Alle können in unterschiedlichen Körnungen bezogen werden.

Lehmpulver kann man verwenden, um die Farbe des Bodens zu beeinflussen und einen festeren, bei Austrocknung harten Boden zu erreichen. Bereits 1/10 Anteil Lehm in einer Mischung aus Kokossubstrat und Sand sorgt für eine spürbare Verbesserung des Zusammenhalts des Bodens und des Gefüges. Sollen Abbruchkanten modelliert werden, geht dies kaum ohne einen deutlich höheren Lehmanteil im Substrat.
Wer Zugriff darauf hat, der kann auch die meist beige Lehmerde verwenden. Reine Lehmerde mit hohem Lehmanteil ist im Terrarium normalerweise nicht optimal, da sie sehr schwer ist und nach Austrocknung nur langsam wieder vollständig durchfeuchtet. Auch ist die Wasseraufnahme nicht sehr hoch.

Naturböden – Maulwurfserde – Waldboden, alle werden regelmäßig pauschal als optimal angegeben. Das ist natürlich Blödsinn, denn Böden in der Natur sind standortabhängig. DIE Maulwurfserde gibt es nicht. Der Maulwurf wirft aus was im vor die Pfoten kommt. Und zwar überall in Deutschland. Aber nicht jeder Boden in Deutschland ist geeignet für das Terrarium. Es gibt Naturböden, die sind besser als Blumenerde und welche die sind unbrauchbar. Das zu entscheiden ist nur konkret möglich, nicht aber pauschal. Sag jemand Maulwurfserde ist toll, dann redet er von seiner. Nicht von Deiner. Ob Deine es auch ist???
Wir verwenden keine „Maulwurfs- oder Walderde“ aus der Natur mehr, weil wir unsere eigenen Mischungen im Terrarium für deutlich besser halten.

Gelegentlich wird Torf als Bodensubstrat genannt. Der Vorteil von Torf liegt in seinem niedrigen PH-Wert der z. B. Schimmel und Fäulnis entgegenwirkt. Er trocknet im gut belüfteten Terrarium jedoch schnell aus. Da die Gewinnung von Torf in Hochmooren nicht nachhaltig ist, sollte man damit sparsam umgehen.

Kokossubstrat wird ohne Zweifel viel genutzt. Geliebt von den einen,  gehasst von den anderen. Gerade Kokossubstrat kann extrem viel Wasser speichern. Durchaus ein Pluspunkt für dieses Substrat.
Ein weiterer Pluspunkt von Kokossubstrat und Torf (aber auch von Sand, Seramis und Vermiculite) ist, dass diese Substrate nicht faulen. Gerade in kleinen schlecht belüfteten Döschen können Fäulnisgase schnell zum Ausfall der Tiere führen.

Blumenerde kann, gerade wenn Kompost untergemischt ist, faulen und bietet Schimmel einen deutlich besseren Lebensraum als z. B. Kokossubstrat und Torf.

Kokossubstrat, Torf und Blumenerde sind „pur“ für größere Boden- und Röhrenbewohner nicht gut geeignet, da diese nicht den Böden im Habitat entsprechen und zu wenig Festigkeit aufweisen. Manche Arten tolerieren dies besser, andere mögen derart lockeres Substrat gar nicht. Slings, Jungtiere und kleine Arten leben hingegen öfter in der Mulch- oder Laubschicht und sind leichter. Sie können zum Teil sehr gut auf diesen Substraten aufgezogen werden.

Bei größeren, auch im Terrarium baumbewohnenden Arten ist vor allem wichtig, dass der Boden Wasser gut aufnimmt, lange speichert und so ein möglichst konstantes Klima gewährleistet.
Besondere Bedeutung  hat das Bodensubstrat bei Bodenbewohnern und Röhrenbewohnern. Er sollte die nötige Festigkeit und Haftfähigkeit besitzen, damit die Vogelspinne einen sicheren Unterschlupf hat bzw. anlegen kann. Wasser muss natürlich gut gespeichert werden können.

Mischungen aus Kokossubstrat oder Torf mit Sand und Lehm haben sich bei uns bewährt.
Mehr Kokossubstrat bei kleineren Spinnen in Dosen, mehr Sand und Lehm bei größeren Tieren in den Terrarien. Wir mischen fast immer Vermiculite mit dazu,- um die Wasseraufnahme zu optimieren. Unser Sling Dirt ist solch einen fertige Mischung.

Bedecken kann man den Boden mit ein paar braunen Blättern, etwas zerkleinertem alten Laub und kleinen Rindenstückchen entsprechend der oberen Schicht, die man auf den Waldboden findet. Bei Arten, die semiaride Habitate bewohnen, kann man trockenes Gras und trockene Pflanzenteile von der Wiese nehmen und zerkleinert über den Boden verteilen. Trockene Grashalme kann man zusammen genommen im Boden wie trockene Grasbüschel dekorieren und so savannenähnliche Habitate nachstellen.