Allgemeines zu Versand + Verpackung

Allgemeines zu
Versand + Verpackung

Da immer wieder auf Stammtischen, in Foren oder auf Facebook über die Versandsituation geklagt wird, manches durcheinander geht oder auch schlichtweg falsch ist, versuchen wir mal ein paar Dinge zu erklären.

Zuerst mal die Lebendankunft-Garantie:  Einige gewerbliche Verkäufer schreiben etwas von Garantie. Wir empfehlen, mal in die AGB der Shops zu schauen. Wer schreibt, das Versandrisiko läge ausschließlich beim Kunden, der gibt keine verbindliche  Lebendankunft-Garantie. So einfach ist das. Er ist vielleicht kulant, aber im Grunde ist das Wischi-Waschi.
Davon abgesehen ist es höchst fraglich, ob diese Form von Haftungsausschluss durch gewerbliche Anbieter überhaupt zulässig ist. Wir finden es nicht in Ordnung, als Gewerblicher das Risiko beim Kunden abzuladen. Bestellt man bei uns per DHL-Express oder Tierspedition, dann bieten wir Lebendankunft-Garantie in Deutschland. Punkt. Auf Kulanz sogar im benachbarten Ausland.

Jetzt zum Versand selbst:
Auf dem Versandweg sind die Tiere (in ihrer Verpackung) immer wieder auch längere Zeit in einer unbeheizten Umgebung. In den Verteilerzentren wird eine Temperatur von ca. 12°C angestrebt. Temperaturunterschiede können sowohl im Sommer wie im Winter immer schnell auftreten und sehr groß sein. Die Pakete werden im normalen Versand geworfen und in ihrer Lage immer wieder verändert.

Auch der Versand bei Go als Tiertransport ist nicht anders temperiert als der normale Versand! Auch hier ist die Styrobox Pflicht, will man seriös versenden. Der Vorteil beim Go Tierversand liegt darin, dass Pakete nicht geworfen und nicht in ihrer Lage verändert werden. Das macht gerade bei kälteren Temperaturen, aber auch für größere Vogelspinnen einen sehr bedeutenden Unterschied.

Warum?
Weil Wirbellose ausnahmslos wechselwarme Tiere sind, die in Ihrer Aktivität und Motorik von der Temperatur abhängig sind. Während nun europäische Asseln selbst bei 4°C noch munter an der Mauer Algen knabbern, sieht das bei tropischen Wirbellosen gänzlich anders aus. Dazu kommt, dass Vogelspinnen im Verhältnis zu Asseln, Skorpionen oder Millipedes deutlich schlechter geschützt sind gegen Stöße und mechanische Belastungen des Außenskeletts. Ist nun die Spinne nicht mehr in der Lage, sich festzuhalten oder neu zu positionieren, weil sie aufgrund der niedrigen Temperatur inaktiv ist, dann kann ein Wurf und Aufprall des Paketes bereits eine tödliche Verletzung verursachen.

Davon abgesehen ist es schon eine ziemliche Rücksichtslosigkeit gegenüber einem Tier, das z. B. aus dem tropischen Thailand kommt in einem Habitat mit Temperaturen, die eigentlich immer bei 25°-33°C liegen, wenn man es Temperaturen unter 5 °C aussetzt, nur weil man nicht warten kann.

Sowohl die Styrobox als auch der Heatpack haben Grenzen.
Die Isolation der Styrobox  funktioniert nicht als Blocker sondern nur als Bremse. Soll heißen nach spätestens 2-3h herrschen in eine 3cm dicken Box fast die gleichen Temperaturen wie außerhalb, wenn nicht geheizt wird. Trotzdem versenden wir ausschließlich in Styroboxen, selbst im Sommer, wenn die Temperaturen bei 20°C liegen.

Zusammengestellte Styroporplatten halten wir für einen Witz. In 8 von 10 Fällen, wo wir solche Verpackungen erhalten haben, handelte es sich um eine großzügige Sammlung von Kältebrücken, aber nicht um eine seriöse Verpackung. Eine ist so, dass es vielleicht was gebracht hat und in einem Fall ist die Verpackung so exakt, dass sie auch funktioniert. Dazu müssen die Platten aber fugenlos gestoßen und am besten noch verklebt sein.

Der Heatpack selbst erreicht eine Oberflächentemperatur die normalerweise bei ca. 35-40 (45)°C liegt, das reicht in einer 4,7l Styrobox bei 10 °C Aussentempeatur für eine Erwärmung von ca. 3,5-4,5°C über Außentemperatur. Also für ca. 13,5-14,5°C in der Box. ABER fällt die Temperatur unter einen gewissen Punkt, dann stoppt die Reaktion des Heatpacks. Typisch dafür: der Heatpack kommt kalt an und wird später wieder warm. Wenn die Nachttemperaturen über 17°C liegen sind Heatpacks nicht mehr erforderlich. Den Heatpack sollte man nie unmittelbar an den Tieren positionieren. Wir lassen immer mindestens soviel Platz, dass dazwischen kein Hitzestau entstehen kann.

Wichtig: der Heatpack braucht Sauerstoff.  Wenn man mit Luftpolsterfolie arbeitet, funktioniert das nicht wirklich gut. Wir nehmen Holzwolle. Diese schütz mechanisch bei Stößen, schließt aber die Luft nicht ein. Die Luft kann zirkulieren. Ohne Loch in der Box kommt der Heatpack nach unseren Erfahrungen in einer 4,7l auch nach ca. 40 h meist noch gut warm am Ziel an. Papierschnipsel aus dem Reisswolf dürften ähnlich gut sein. Schon geknüllte Zeitung ist etwas schlechter, da die Luft nicht mehr so gut zirkuliert.

Wichtig: die Verpackung ist als Gesamteinheit zu sehen! Durch Änderung des Boxenvolumens oder der Wandstärke oder des Polstermaterials können sich bereits relevante Änderungen ergeben.

Durch die Verwendung dickerer Styroboxen oder „Styrobox in Styrobox“ sowie mehrerer Heatpacks kann die „Wärmeleistung“ der Verpackung gesteigert werden. Versand bei unter 5°C ist also möglich.
ABER die Sicherheitsreserven sind natürlich viel geringer und der Aufwand und damit die Kosten sind viel höher.  Es muss hier im Grunde bei Tierspedition und dicken Styroboxen und mehren Heatpacks mit mehr als 30 € gerechnet werden.

Bei sommerlichen Temperaturen ist es sinnvoll die Box zusätzlich vor Wärmestrahlung der Sonne zu schützen. Boxen aus Neopor reflektieren die Wärmestrahlung materialbedingt bereits durch enthaltenne Graphitteilchen. Sonst emphiehlt es sich die Box mit Aluminiumpapier zu umwickeln.


Zu den Versanddienstleistern:

UPS, DPD und Hermes schließen den Versand von Tieren in ihren AGB aus. Hier erübrigt sich erstmal jede weitere Diskussion. Wer es doch tut, verstößt gegen die AGB oder hat eine Sondergenehmigung.

DHL gestattet den Versand von Wirbellosen wie z. B. Bienenköniginnen.
Die Paketlaufzeiten liegen bei 1-3 Tagen, selten drüber. Aber auch 5-6 Werktage kommen vor. Liegt ein Wochenende innerhalb der Versandzeit,  werden’s  auch schon mal  7 Tage. Bei richtigen Fehlern kommen selten auch Laufzeiten über 10 Tage vor. Wichtig ist, dass die Pakete zum richtigen Zeitpunkt also nicht viel zu früh, aber immer rechtzeitig vor Abholung abgegeben werden. Manchmal erfolgt eine Abholung auch früh am Morgen vor 9:00 Uhr, die Laufzeiten sind dann oft kürzer.
Die Expresslaufzeiten liegen in der Regel bei  einem Tag, leider aber auch immer wieder drüber. Wenn, dann liegt oft ein Fehler in der Sortierung vor. Soll heißen, es wurde nicht in den Express-Paketlauf sortiert sondern in den normalen Paketlauf. Da gehört es aber nicht hin und die Laufzeit ist dann regelmäßig länger als 3 Tage. Das ist definitiv Mist.
Geschäftskunden bei DHL-Express werden anders bedient. Dort wird das Paket in der Regel von Expresskurier abgeholt und läuft von vornherein einen anderen Weg als normale DHL-Pakete. So jedenfalls unsere Erfahrung als Geschäftskunde. Bei uns kommen tatsächlich 99% der Expresspakete am nächsten Tag an. Liegen die Temperaturen bei 8°C oder drüber, ist der Versand mit DHL an sich als sicher anzusehen.

Go-Tierversand oder auch andere Tierspeditionen sind super. Aber leider recht teuer und etwas komplizierter. Die Lieferung muss nämlich angenommen werden! Wird sie es nicht, verursacht das schnell Ärger und Kosten. Der wesentliche Vorteil beim Tierversand liegt, wie schon oben geschrieben, darin, dass Pakete nicht geworfen und nicht in ihrer Lage verändert werden. Die Tiere können also in ihren normalen Behältern versendet werden und müssen nicht zwingend für den Transport speziell eingepackt werden. Das reduziert den Aufwand bei größeren Mengen erheblich. Auch für Anfänger, die im Versand unsicher sind, weil sie sich eine gute Transportverpackung nicht zutrauen ist das eine Alternative.
Dazu kommt, dass die Umstellung für die Tiere nicht so gravierend ist. (Robuste Arten haben damit keine Probleme, aber z. B. bei süd-ost asiatischen Baumbewohnern haben wir immer wieder den Eindruck gehabt, dass Umstellungen zu einer höheren Sterblichkeit führen können.) Außerdem werden die Laufzeiten meist sehr gut eingehalten. Diese liegt unter 24h.

Unsere Empfehlung:
Immer in einer Styrobox versenden.
Ideal sind Holzwolle oder Papierstreifen als Füllmaterial.
Besonders in kleinen Boxen und mit Heatpack keinesfalls Blasenfolie verwenden!
Unter 8°C, spätestens unter 5°C nicht mehr versenden.
Von 5°C bis 17°C am besten immer mit mindestens einem Heatpack versenden.
(Ausnahmen sind je nach Art natürlich möglich).
Im Sommer die Styrobox mit Alufolie umwickeln und gegen Hitze aus Sonnenstrahlung abschirmen.

DHL-Paket oder besser noch DHL-Express bleiben für die meisten Fälle eine wirtschaftliche und vertretbare Wahl. Nicht die Beste!

Bei größeren Tieren, größeren Mengen oder beim Kauf von privaten Anbietern, wenn es das Budget zuläßt auf Tierspeditionen ausweichen. Denn das ist ohne Frage die beste Versandart für Wirbellosetiere.

Versendet jemand mit UPS, Hermes oder DPD – lasst Euch die Vereinbarung zeigen, wonach das zulässig ist oder lasst die Finger davon.

Wie man die Tiere selbst packt und worauf zu achten ist werden wir in einem anderen Beitrag erklären.